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- DRUCKANSICHT -

24 Hyperinflationen im 20. Jahrhundert!  Ökonomie oder Irrsinn?

1  Auf monetären Theorien basierende Ökonomien und der zyklische Crash
2  Auszüge aus "Economic Tribulation" von Vincent C. Vickers
3  "Ökonomie als neue Weltreligion" von Prof. Dr. Bernd Senf
4  Auszüge aus dem "Ahlener Programm" der CDU von 1947 - Aufschlussreich!
Update 20.01.2011

"Die Zukunft wird nicht gemeistert von denen, die am Vergangenen kleben" ( Willy Brandt )

Auf monetären Theorien basierende Ökonomien und der zyklische Crash
"[...] Der Ausdruck „Gesunde Finanzen“ ist seinem Wesen nach eine Erfindung der Bankiers und Kreditgeber. Er bedeutet starres Festhalten an überlieferten Verhältnissen ... Zum Nachteil des geldbedürftigen Kreditnehmers begünstigt dies System natürlich den Reichen ... Bei Gefahr jedoch sind diese Vertreter „Gesunder Finanzen“ die ersten im Rettungsboot, sie sind die ersten, die das sinkende Schiff verlassen, aber die letzten, wenn es gilt, Männer für den Dienst an die Rettungspumpen zu stellen.

Der Begriff schließt auch die Weigerung in sich ein, zu verstehen, daß das Geld ausschließlich ein Mittel sein sollte, eine gerechte Tauschwirtschaft zu ermöglichen und das es in Wirklichkeit so etwas wie „Gesunde Finanzen“ nicht geben kann, solange eben dieser ganze Wirtschaftszustand ungesund ist ...

Dabei ist heute wie damals das Finanzwesen nicht das Hilfsmittel für die Wirtschaft, sondern es ist umgekehrt, dass die gesamten Produktivkräfte nur dazu da sind, dem Kapitalsystem zu dienen. Die Finanzindustrie, die Börsenbankiers und die Börse werden durch dieses Auf und Ab der Wirtschaft reich, ja sie sind zum großen Teil sogar auf dieses Wechselspiel der Konjunkturen und die Veränderung des Warenpreisinveaus angewiesen, um daran zu profitieren. [...]

Je größer die Verschuldung des Volkes, um so größer ist der Profit der Geldverleiher, und auf dieselbe Weise der Geldmarkt der Welt ... Die Geldverleiher sind zu ihrem Gedeihen fast ausschließlich auf die Verschuldung anderer angewiesen ...

Foto : IWF, 2002
alan_greenspan
Alan Greenspan, der geadelte Ex- Chef der privaten(!) US- Notenbank Federal Reserve System, kurz "FED".

Das Schlagwort der Geldverleiher ist stets: „Der da hat, dem wird auch gegeben werden“. Alle diese Aktienhändler, diese Börsenmakler und Jobber, diese Geld- und Goldspekulanten, Geldverleiher, Anleihe- Emissionäre, alle diese Banken und Versicherungsgesellschaften schaffen überhaupt nichts. Sie sind die Drohnen unserer Volksgemeinschaft. Sie leben ausschließlich und sind abhängig von dem Honig, den andere sammeln. Sie leben auf Kosten des schaffenden Volkes. [...] Das Geld muß aufhören zu sein, was es heute ist: ein ständiger Entzündungsherd, ein Hindernis auf dem Wege zum Fortschritt der Weltwirtschaft, eine Behinderung der Glückseligkeit der Menschen und ihres Strebens nach einem dauernden Frieden unter den Völkern. [...]" Aus "Economic Tribulation" von Vincent C. Vickers, London 1941.

Der Aktualitätsbezug der Ausführungen von Vincent C. Vickers, von 1910 bis 1919 Gouverneur der Bank von England, könnte eindeutiger und unmissverständlicher kaum sein. Ein Blick auf die folgende Weltkarte macht zudem deutlich was Vincent C. Vickers vor etwa 70 Jahren in "Economic Tribulation" so trefflich formulierte: Geldsysteme waren und sind noch immer zivilisatorische Entzündungsherde mit gewaltigem Konfliktpotential,- wie insbesondere auch ein Rückblick in die Deutsche Geschichte zeigt!

weltkarte_hyperinflationen
Grafik in enger Anlehnung an Roland Baaders Grafik aus seinem Buch:
"Geld, Gold und Gottspieler - Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise"

"24 Hyperinflationen gab es im 20. Jahrhundert. So bezeichnet man eine Inflationen, bei der die monatliche Inflationsrate 50% oder mehr beträgt. 50% Wertverlust, Monat für Monat, ergibt eine Jahresinflation von 12.874%. Absoluter Spitzenreiter war Ungarn, das am 10. Juli 1946 eine Tagesinflation (!) von 443% aufwies.
 
STAAT JAHR(e)

höchste
Monatsinflationsrate

  STAAT JAHR(e)

höchste
Monatsinflationsrate

Argentinien 1989/90 196 % Nicaragua 1986/89 127 %
Armenien 1993/94 438 % Österreich 1921/22 124 %
Aserbeidschan 1991/94 118 % Peru 1989 104 %
Bolivien 1984/86 120 % Polen 1921/24 187 %
Brasilien 1989/90 84 % Polen 1989/90 77 %
Bulgarien 1997 242 % Serbien 1992/94 309.000.000 %
China 1947/49 4.208 % Simbabwe 2008 *231.000.000 %
Deutschland 1923 533.000.000 % Sowjetunion 1922/24 279 %
Georgien 1993/94 197 % Ungarn 1923/24 82 %
Griechenland 1942/45 11.288 % Ungarn 1945/46 1,295 E+16 %
Jugoslawien 1990 59 % Ukraine 1991/93 249 %
Kongo ( Zaire ) 1991/93 124 % Weißrussland 1999 60 %
Moldawien 1992 171 %          

*Juli. 2008. 231 Mio.% betrug nach offizielle Angaben ( Zentralbank in Harare ) die Jahresteuerung von 07/2007 auf 07/2008. Die Preissteigerung von Juni 2008 auf Juli 2008 wurde mit 2.600 Prozent angegeben. Im April 2009 schaffte Simbabwe seine Währung ab und stellte auf Fremdwährungen ( $, €, Rand ) um. Nach einer anfänglichen Deflation ( 3% ) pendelte sich im Verlauf des Jahres 2009 die Inflation bei 1% ( November ) ein". Quelle: http://www.castelligasse.at/Politik/Budget/budget.htm
 
Ökonomie oder Irrsinn?
Die obige Grafik offenbart auf erschreckende Weise das bislang de facto jedwede, auf monetären Theorien statt auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Volkswirtschaft sowohl in ökonomischer und sozialer, als auch bekanntermaßen in ökologischer Hinsicht kläglich gescheitert ist. Von den schwerwiegenden gesellschaftlichen Konflikten und den sich hieraus entwickelnden Kriegen, die ökonomische Zusammenbrüche bis zum heutigen Tage immer wieder hervorbrachten, ganz zu schweigen. Nicht minder erschreckend ist, dass die weit überwiegende Mehrheit der heutigen Ökonomen noch immer nicht im Stande ist diesen nur allzu naheliegenden weil offensichtlichen Rückschluß zu ziehen, und als Tatbestand überhaupt zu erkennen!

Was ist von "Wirtschaftswissenschaften" und ihren Vertretern zu halten, welche ganze Nationen wiederholt durch ihr offenkundiges und nicht länger zu leugnendes Versagen in wirtschaftliche- und soziale Katastrophen hinein führen, und aus diesen Verheerungen absolut nichts lernen?! 24 Hyperinflationen in 100 Jahren und die fortgesetzte Plünderung und Zerstörung des Ökosystems der Erde reichen offenbar selbst in Kombination mit der mit Abstand schwersten Weltwirtschaftskrise seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts noch immer nicht aus, um auch nur die geringsten ( Selbst- ) Zweifel zu provozieren. Die simple mathematische Erkenntnis, dass allein die exponentielle Charakteristik des Zinseffekts nach einigen Jahrzehnten zwangsläufig zum Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems führen muß, hat sich der Mehrheit führender Finanzexperten und Ökonomen offenbar bis heute nicht erschlossen. Dr. Jürgen Kremer, Prof. für Wirtschaftsmathematik am RheinAhrCampus Remagen:

"Die Verzinsung von Kapital hat nur dann langfristig keine destabilisierende Wirkung, wenn die Wirtschaft stetig und zeitlich unbeschränkt, d.h. exponentiell wächst. Aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen der Erde ist ständiges Wachstum jedoch weder wünschenswert noch möglich. Eine Wirtschaftsordnung, die langfristig stabil bleiben soll, muss sich daher von dem Konzept der Vermögensverzinsung verabschieden." Quelle: "Schuldenbremse - und was davon zu halten ist", von Helmut Creutz.

bernd_senf_vortrag_finanzkrise
Prof. Bernd Senf in "Der Staat in der Schuldenfalle, Bankgeheimnis Geld- schöpfung". Bernd Senf, Mitinitiator der "Monetative - Geldschöpfung in öffentliche Hand!", in einem seiner sehr informativen Vorträge zur Weltfinanzkrise.
Die moderne Zivilisation entzieht sich gegenwärtig in beschleunigtem Maße ihre physischen- und sozialen Lebensgrundlagen auf der Basis eines grundlegend fehlkonstruierten globalen Geld- und Finanzsystems, und den haltlosen Meinungen und Ansichten ihrer hoffnungslos überforderten Ökonomen!

Siehe hierzu z.B. "The Story of Stuff" (.deutsch- sprachige Fassung.). Ein ebenso aufschlussreicher wie alarmierender Kurzfilm über die nicht aufrecht zu erhaltenden Konsumgewohnheiten der modernen Zivilisation und dessen verheerende Folgen für Mensch und Umwelt.

Prof. Dr. Bernd Senf bezeichnet die vorherrschende Wirtschaftswissenschaft und dessen monetär geprägte Theoriegebäude als "Teflontheorien", an denen die Realität praktisch rückwirkungsfrei abperlt.

Wie zutreffend dieses Bild ist zeigt nicht nur die obige Grafik sondern insbesondere auch die unfassbare Ignoranz, mit der diese 'Experten' die zukünftige Entwicklung beurteilen und mit ihren Ratschlägen nun abermals belegen, dass man in der Eliteliga der Ökonomen trotz Weltfinanz- und Wirtschaftskrise auch weiterhin gedenkt in wirklichkeitsfernen Theorien zu verharren. Monetär- und neoliberal geprägte Wirtschaftstheorien ( Schuldgeld- geschürtes Profit- und Mängeldenken ), dessen rücksichtslose weltweite Umsetzung nach dem Zusammenbruch des Ostblocks schließlich in diese epochale Krise der Menschheit geführt hat!


Webcast- Frage: Wirtschaftlicher Wert vs. Geld ( 00:17:14 )
Der Politiker und Ökonom Lyndon LaRouche beschreibt in diesem Video- Ausschnitt seines Webcast's vom November 09 den grundlegenden Unterschied zwischen einer auf echten Werten basierenden Volkswirtschaft,- der ressourcenbasierten "physischen Ökonomie", und dem was die global vernetzten Volkswirtschaften gegenwärtig immer tiefer in den Abgrund reißt: Zielloser Monetarismus, der das wertlose Tauschmittel Geld inzwischen zu eine Art Gottheit hochstilisiert hat.  

Eine Volkswirtschaft die ihrem Namen gerecht wird und die der Menschheit insgesamt auf Dauer dienen soll, kann naheliegenderweise natürlich nur auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und der echter Werte errichtet werden, an dessen Konzeption das Geld- und Finanzsystem,- lediglich als "Mittel zum Zweck", anschließend anzupassen ist.

Die gegenwärtige Weltfinanz- und Wirtschaftskrise ist jedoch nicht nur das zwangsläufige Resultat grundlegender mathematischer Fehler im Geld- und Finanzsystem sondern zugleich auch das einer egoistisch- monetären Fixierung weiter Teile der Gesellschaft, welche inzwischen fast ausschließlich das wertlose Tauschmittel und dessen widersinnige und destruktive inflationäre Vermehrung in den Mittelpunkt aller Bestrebungen gestellt haben. Geldwirtschaft und kurzfristige Profitmaximierung zu Gunsten Weniger und ohne jede Rücksichtnahme, statt Volkswirtschaft im Interesse des Gemeinwohls und dem zukünftiger Generationen. Diese absurd verdrehte, inhumane und sinnentleerende Sichtweise ist nach wie vor vorherrschend und wird zu keiner Lösung dieser globalen Krise führen können! Ein Zitat von Albert Einstein beschreibt diesen Umstand:

"Wir können Probleme nicht mit den Denkmustern lösen, die zu ihnen geführt haben."

Abschließend ein kurzer Auszug aus der Pressemitteilung des Wiesbadener "Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung". Besser bekannt als "Die fünf Wirtschaftsweisen", die diese globale Systemkrise noch nicht einmal kommen sahen. Kompetenz oder Versagen? Ökonomie oder Irrsinn?

− Pressemitteilung −

Wiesbaden, 13. November 2009.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung legt heute eine Expertise zum Thema „Deutschland im internationalen Konjunkturzusammenhang“ sowie sein Jahresgutachten 2009/10 vor. Das Jahresgutachten trägt den Titel:

Die Zukunft nicht aufs Spiel setzen



II.
"Für die neue Bundesregierung muss es jetzt darum gehen, den Rückzug aus den krisenbedingten staatlichen Eingriffen vorzubereiten, ohne die konjunkturelle Stabilisierung zu gefährden. Die immense Neuverschuldung der öffentlichen Haushalte muss ab dem Jahr 2011 konsequent zurückgeführt werden. Ohne drastische Ausgabenkürzungen werden Steuererhöhungen nicht zu vermeiden sein. In Europa bedarf es über die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts hinaus eines glaubwürdigen Konsolidierungspakts zur Sanierung der Staatsfinanzen. Damit würde die Geldpolitik beim Rückzug aus ihren krisenbedingten Maßnahmen wesentlich unterstützt".

III.
"Im Finanzsektor ist es erforderlich, den Ausstieg aus den krisenbedingten Stützungsmaßnahmen durch weitreichende Reformen zu flankieren. Die staatliche Absicherung privater Risiken ist zu beenden, indem die Möglichkeit einer geordneten Restrukturierung notleidender Finanzinstitute geschaffen wird. Zudem muss die Finanzmarktaufsicht inhaltlich und institutionell effizienter gestaltet werden. Dies ist umso wichtiger, da ein funktionierendes Finanzsystem Voraussetzung für eine kommende Erholung ist. Der Deutschlandfonds sollte nicht über das Jahr 2010 hinaus verlängert werden".

Copyright: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wiesbaden 2005. Quelle: http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/


Nachtrag
"[...] Die Wirtschaftswissenschaften wurden leider schon mehrmals als mathematisch fehlerhaft und damit als unwissenschaftlich und reines Propagandainstrument der Finanzeliten entlarvt, unter anderem vor bereits über 50 Jahren vom Nobelpreisträger George Stigler ( die Details dazu können übrigens in dem Werk "Debunking Economics: the naked emperor of the social sciences" von Steve Keen nachgelesen werden ). Alle diese kompetenten Widerlegungen wurden einfach unterdrückt bzw. totgeschwiegen, inhaltliche Konsequenzen wurden nie gezogen, weil dies das Ende ganzer politisch sehr einflussreicher Berufsstände bedeutet hätte. [...]

Es mangelt auch nicht an weiteren logischen Defiziten, wie z.B. einem Schuldgeld, das nur gegen Zinseszins erschaffen werden kann und das unter Konkurrenzbedingungen auf den Märkten "erkämpft" werden muss. Durch diese historisch gewachsenen Rahmenbedingungen wurde das Wirtschaftssystem als Nullsummenspiel konstruiert, in dem ein Gewinn immer nur auf Kosten anderer erzielt werden kann. Die tiefere Ursache liegt in der technischen Konstruktion des Geldsystems, das dem Wirtschaftssystem zugrunde liegt, welches jedoch jederzeit im gesamtgesellschaftlichen Konsens auch verändert werden kann. Diese Zusammenhänge erschließen sich jedoch nur bei systemischer, umfassender Betrachtung. [...]"

Quelle: Finale Krise des Finanzsystems im nächsten Jahr? Rainer Sommer im Gespräch mit dem Wiener Wirtschaftsprofessor Franz Hörmann. Heise / Telepolis, 16.11.2010.

 
Economic Tribulation
"[...] Lassen Sie uns die Wahrheit erkennen. Die Menschheit leidet doch nicht an unvermeidbaren Umständen über dessen Beschaffenheit sie keinen Einfluss hat, sondern unter den Auswirkungen jener unehrlich und vorsätzlich erschaffenen Einrichtungen, die von Menschen erfunden wurden.

Grundgesetze, die ursprünglich zum Wohle der Individuen einer Gesellschaft entwickelt wurden, sind gebeugt und in Rechtsvorschriften übersetzt worden, die nie dazu gedacht waren einer Person zu erlauben durch die Verarmung anderer reich zu werden, noch es ihr in der Verfolgung ihres Profitstrebens zu gestatten, sich auf ihre eigenen persönlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit zu stützen und damit zu trösten, im Rahmen geltenden Rechts gehandelt zu haben. [...]

An diesen Verhältnissen haben auch die Ökonomen ihren Anteil. Diese Fachleute haben hoffnungslos versagt. Was wir brauchen ist etwas weniger Ökonomie, und ein wenig mehr gesunden Menschenverstand. [...] Soweit wir dazu imstande sind, müssen wir unseren Mitmenschen helfen, das Wichtige zu verstehen. Das können wir unbesorgt tun, denn das, was da mißverstanden werden sollte, wird nicht wesentlich sein, es wird sich verlieren und wieder vergessen werden, während das Richtige daran sich schon durchsetzen wird. Denn wo Zufriedenheit ist, kann es keinen Krieg geben, wo aber Unzufriedenheit ist, da werden auch Krieg und Kriegsgefahr bestehenbleiben. [...]

Der Ausdruck „Gesunde Finanzen“ ist seinem Wesen nach eine Erfindung der Bankiers und Kreditgeber. Er bedeutet starres Festhalten an überlieferten Verhältnissen ... Zum Nachteil des geldbedürftigen Kreditnehmers begünstigt dies System natürlich den Reichen ... Bei Gefahr jedoch sind diese Vertreter „Gesunder Finanzen“ die ersten im Rettungsboot, sie sind die ersten, die das sinkende Schiff verlassen, aber die letzten, wenn es gilt, Männer für den Dienst an die Rettungspumpen zu stellen. Der Begriff schließt auch die Weigerung in sich ein, zu verstehen, dass das Geld ausschließlich ein Mittel sein sollte, eine gerechte Tauschwirtschaft zu ermöglichen und das es in Wirklichkeit so etwas wie „Gesunde Finanzen“ nicht geben kann, solange eben dieser ganze Wirtschaftszustand ungesund ist.

Dabei ist heute wie damals das Finanzwesen nicht das Hilfsmittel für die Wirtschaft, sondern es ist umgekehrt, daß die gesamten Produktivkräfte nur dazu da sind, dem Kapitalsystem zu dienen. Die Finanzindustrie, die Börsenbankiers und die Börse werden durch dieses Auf und Ab der Wirtschaft reich, ja sie sind zum großen Teil sogar auf dieses Wechselspiel der Konjunkturen und die Veränderung des Warenpreisinveaus angewiesen, um daran zu profitieren. Die produktive Industrie hingegen kann nur bei stabilem Markt, bei unveränderlichem Preisstand und nur dann auch gedeihen, wenn heftige Konjunkturschwankungen unmöglich sind. [...]

Je größer die Verschuldung des Volkes, um so größer ist der Profit der Geldverleiher, und auf dieselbe Weise der Geldmarkt der Welt ... Die Geldverleiher sind zu ihrem Gedeihen fast ausschließlich auf die Verschuldung anderer angewiesen ... Das Schlagwort der Geldverleiher ist stets : „Der da hat, dem wird auch gegeben werden“. Alle diese Aktienhändler, diese Börsenmakler und Jobber, diese Geld- und Goldspekulanten, Geldverleiher, Anleihe- Emissionäre, alle diese Banken und Versicherungsgesellschaften schaffen überhaupt nichts. Sie sind die Drohnen unserer Volksgemeinschaft. Sie leben ausschließlich und sind abhängig von dem Honig, den andere sammeln. Sie leben auf Kosten des schaffenden Volkes. [...]

Das Geld muß aufhören zu sein, was es heute ist: ein ständiger Entzündungsherd, ein Hindernis auf dem Wege zum Fortschritt der Weltwirtschaft, eine Behinderung der Glückseligkeit der Menschen und ihres Strebens nach einem dauernden Frieden unter den Völkern. [...] Das Wohlbefinden und der Wohlstand des einzelnen Menschen, das Glück der Volksgemeinschaft, die Zufriedenheit des ganzen Volkes und der Friede der Welt sind hauptsächlich, wenn nicht gänzlich und allein, ein Geldproblem. Einzige Möglichkeit der Lösung wäre es, ein Geld zu schaffen, welches immer in Zirkulation ist und damit nicht als Machtinstrument mißbraucht werden kann. [...]"

Quellen: "Economic Tribulation" von Vincent C. Vickers, 1910 bis 1919 Gouverneur der Bank von England. Siehe auch ERC Historisches Archiv und Deutsche Wirtschaftsgemeinschaft.

 
Ökonomie als neue Weltreligion
"Wirtschaftliche Sachzwänge bestimmen weite Bereiche unseres individuellen und gesellschaftlichen Lebens und setzen den Rahmen für die Gestaltungsmöglichkeiten von Politik. Wir haben uns daran gewöhnt, daß Entwürfe für gesellschaftliche Veränderungen immer erst die Nagelprobe der »ökonomischen Vernunft« zu bestehen haben. Alles, was sich rechnet, hat in der Marktwirtschaft die Chance, realisiert zu werden, und dies um so eher, je größer die davon zu erwartenden Gewinne sind. Was dagegen Verluste bringt oder diese befürchten läßt, ist auf private oder öffentliche Unterstützung angewiesen und hat es ungleich viel schwerer - insbesondere in Zeiten, in denen die öffentlichen Mittel knapp geworden sind. Sogar die Chancen politischer Parteien bei demokratischen Wahlen hängen wesentlich davon ab, inwieweit ihnen die Wähler wirtschaftliche Kompetenz zutrauen. [...]

Zwei Unterschiede zwischen kirchlichem Gott und Marktgott sind allerdings augenfällig : Der erste Unterschied besteht darin, daß bei der Erfüllung göttlicher Gesetze das Paradies im Himmel winkt, während bei Erfüllung der Marktgesetze das Paradies auf Erden versprochen wird. Das kirchliche Versprechen ist schwer überprüfbar, man kann es glauben oder nicht. Aber das Versprechen der Ökonomen bezieht sich auf das Diesseits - und sollte entsprechend auch an den Erfolgen oder Mißerfolgen ihres Glaubenssystems auf Erden gemessen werden.
Der zweite Unterschied liegt darin, daß zumindest das christliche Glaubensbekenntnis den »Schuldigern« noch vergibt: »Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.« Das moderne Glaubensbekenntnis des Marktes tut das nicht: Es fordert vielmehr mit Unbarmherzigkeit und Unerbittlichkeit die Rückzahlung der Schulden von den Schuldnern: vom Staat, von den Unternehmen, von den Haushalten, von ganzen Ländern und global betrachtet insbesondere von der Dritten Welt. Mit wenigen Ausnahmen gewährt es keinen Schuldenerlaß, sondern stellt harte Bedingungen, die an die Vergabe immer neuer Kredite geknüpft werden.

Die Priester der kirchlichen Religionen sprechen oftmals eine Sprache, die vom gemeinen Volk nicht verstanden wird. Bis zur Bibelübersetzung von Luther war der Text der Bibel nur im Lateinischen zugänglich, und die Predigten der katholischen Kirche wurden bis in die jüngste Zeit in lateinischer Sprache gehalten. Was sie den Gläubigen abverlangen, ist Respekt vor ihrer Autorität und blinder Glaube in die verkündete Weisheit. Aber welcher Gefahr setzten sich die Gläubigen aus, wenn die vermeintlich Sehenden selbst auf einem oder auf mehreren Augen blind - und in ihrem blinden Glauben gefangen sind, weil sie das, was sie sehen, verabsolutieren und fälschlicherweise für die ganze Wirklichkeit oder für die einzige Wahrheit halten?
Wie groß erscheint demgegenüber der Fortschritt, den die Wissenschaft dem blinden Glauben und religiösen Fanatismus entgegengesetzt hat. Aber der Schein trügt! Auch die modernen Priester der Ökonomie kleiden sich in ein Priestergewand, in das Gewand der Wissenschaft, und sprechen eine Sprache, die das gemeine Volk nicht versteht. Sie fordern auf ihre Art den blinden Glauben an die Gesetze des Marktes und der »wirtschaftlichen Vernunft«.

Innerhalb der Wirtschaftswissenschaft hat es über Jahrhunderte hinweg immer wieder heftige Glaubenskämpfe gegeben, es haben sich Hauptströmungen herausgebildet, von denen mal die eine und mal die andere die Oberhand gewonnen hat, aber auch »ketzerische« Nebenströmungen, die mehr oder weniger ausgegrenzt wurden. Kennzeichnend für die verschiedenen Richtungen der Ökonomie scheint mir bisher gewesen zu sein, daß sie jeweils auf einem Auge sehend, auf dem anderen aber blind waren. Oder anders ausgedrückt, daß ihr Blick für die Realität mehr oder weniger - und auf unterschiedliche Weise - durch verschiedene blinde Flecken getrübt war. [...]"

Quelle: Die Einleitung zum Buch "Die blinden Flecken der Ökonomie" von Prof. Dr. Bernd Senf.


"Ziel aller Wirtschaft ist die Bedarfsdeckung des Volkes"

"Die Wirtschaft hat der Entfaltung der schaffenden Kräfte des Menschen und der Gemeinschaft zu dienen. [...]
Die Zeit vor 1933 hat zu große Zusammenballungen industrieller Unternehmungen gebracht. Diese bekamen dadurch einen monopolartigen Charakter. Sie wurden für die Öffentlichkeit undurchsichtig und unkontrollierbar.

Wenn der Aktienbesitz der großen industriellen Unternehmungen, abgesehen von wenigen Ausnahmen, wie z.B. Krupp, auch stark gestreut war, so wurde doch die Zusammensetzung des Aufsichtsrats und Vorstandes infolge der Vertretung der zahlreichen Aktionäre durch wenige Banken von einem verhältnismäßig kleinen Kreis von Personen bestimmt.
Foto von Daidalus
st_michael_ahlen
Das bischöfliche Gymnasium
"St. Michael" in Ahlen
 
Die zu dem engen Kreis der Vertreter der Großbanken und der großen industriellen Unternehmungen gehörigen Personen hatten infolgedessen eine zu große wirtschaftliche und damit zu große politische Macht. [...] Unternehmungen monopolartigen Charakters, Unternehmungen, die einen bestimmte Größe überschreiten müssen, verleihen eine wirtschaftliche und damit eine politische Macht, die die Freiheit im Staate gefährden kann. [...] Darüber hinaus soll bei diesen Unternehmungen das machtverteilende Prinzip eingeführt werden, damit jede mit dem Gemeinwohl unverträgliche Beherrschung wesentlicher Wirtschaftszweige durch den Staat, Privatpersonen oder Gruppen ausgeschlossen wird. [...] Die schon vor 1933 begonnene gesetzliche Kontrolle des Geld- und Bankwesens sowie des Versicherungswesens muss weiter ausgebaut werden. [...] Leistungsfähige Klein- und Mittelbetriebe sind um ihres volkswirtschaftlichen Wertes und ihrer sozialen Aufstiegsmöglichkeiten willen zu fördern. [...] Durch geeignete Maßnahmen soll den Arbeitnehmern eine Beteiligung am Ertrage gesichert werden. [...]"

Quelle: Das Ahlener Programm der Christlich Demokratischen Union ( CDU ) der britischen Zone vom 3. Februar 1947.